Samstag, Juli 31, 2010

AD(H)S

Ich habe mich als Erwachsener den Tests unterzogen, weil es mir keine Ruhe ließ. Weil ich mich oft nicht verstehe und auch meinen Sohn oft sehr schlecht aushalten kann. Da würd ich (und leider tu ichs auch oft genug) am liebsten nur noch brüllen. Wer schreit hört aber defintiv auf zu denken und klingt dabei noch total bescheuert- alles in allem also wirklich nicht toll.

Ich hab auf alle Fälle in der Impulssteuerung und Emotionalität "Spitzen".  Gut wusst ich auch vorher. Aber manchmal will man einfach wissen ob man für die Ungerechtigkeiten die man so erfahren durfte wirklich immer dafür konnte.  Ich lasse es sicher auch nicht als Ausrede gelten für manche Überreaktion.
Aber es hilft manchesmal Dinge besser zu verstehen, im Nachhinein. Als Kind wäre ich wohl in die Schublade "ADHS" geflogen. Ich hatte in der Schule immer große Probleme den "Faden" zu behalten. Ich war überall und niergends mit meinen Gedanken. Ich habe eigentlich obwohl ich mir immer wieder vornahm aufzupassen dann doch vieles von der Nachbarin abgeschrieben. Ich war "besser" als sie und habe im Gegenzug dann geholfen wenns klemmte. Ich habe auch im Studium große Mühe gehabt den Dozenten zu folgen. Nicht weil es nicht interessant war, einfach weil ich das nicht konnte. Auch da wieder, bei der Nachbarin abgeschrieben, wenn ich den Anschluss verloren habe. Sowohl vorm Abi als auch beim Studium haben mich bisweilen meine "Hintermänner" an den Stuhl getreten oä. wenn ich "weggeträumt bin"- damit ich weiterschreibe oder eine an mich gestellte Frage beantworte. Andererseits, habe ich viel schneller "gelernt" als meine Mitbewohner. Wir waren in der WG im Wohnheim zu sechst. Ich habe eine halbe Stunde gelernt und wusste dann soviel wie die anderen nach zwei. Ich habe kurz, aber intensiv mich konzentriert. Ich hätte es auch niemals geschafft mich da 2 Stunden auf so paar Seiten zu konzentrieren. Ich hab entweder etwas schnell gerlent, oder gar nicht, so einfach.Das Phänomen hat meine Zimmerkollegin (und sie saß auch neben mir) auch bemerkt und sie sagte auch mal "naja hyperaktiv bist du schon bissel"- mehr im Spaß, aber sie hatte ja auch recht irgendwo.

Unser Großer hat jedenfalls schon einen Hang zur Hyperaktivität. Einen der mich fertig macht.  Obwohl ich selber kaum "nichts tun" kann. Ich übe das gerade, mal ne halbe Stunde gar nichts machen. Einfach sich nur selber spüren, dem Körper Erholung gönnen. Das Ergebnis, ich schlafe dabei ein, so müde bin ich. Der Große verbraucht jedenfalls mehr Kraft als die anderen beiden zusammen.Die Nächte sind ja kurz genug und noch dazu seit 6 Jahren "Schlaf auf Raten"- ich bin schon halb schlafgestört. Ich kann zB nicht einschlafen, weil ich denke, jeden Moment will der Kleine an die Brust (er weckt meist auf, wenn wir schlafen gehen- tut ers mal nicht, bin ich gleich ganz unsicher und "warte"). Und weckt er nicht auf und ich schlafe ein, dann kommt garantiert der Große zu uns (er tut das seit eh und je und wir haben oft keine Energie ihn zurück in sein Zimmer zu schaffen- auch wenn er mich echt "behindert" beim Schlafen) oder unsere Tochter schreit. Sie hat momentan Dunkelangst. Die hatte der Große in dem Alter auch und ich selber hatte sie als Kind auch ganz extrem, weiß ich noch und kanns also nachfühlen und nehms sehr ernst und renne sofort wenns brüllt.
Ich schweife ab.
Unsere Tochter kann sich jedenfalls allein beschäftigen und heischt nicht den ganzen Tag nach Aufmerksamkeit. Der Große braucht unglaublich viel und ist dabei noch sehr verletzlich.

Das war jetzt konfus- aber es wollte raus.

4 Kommentare:

jonathan und seine familie hat gesagt…

Liebe Katharina!

Während ich Dich so lese, finde ich ganz viele Paralellen zu mir, zu meinem Leben...

Aber ist das wirklich ganz so schlecht, so schlimm?
Kann man sich damit nicht auch arrangieren, ohne diesen Schatten des "So darf das nicht sein"?

Wenn wir uns sein lassen, wie wir sind....dann hört vielleicht diese ständige Anstrengung, so zu sein, wie wir sein sollten, auf.

Es geht nicht um unüberlegtes sich gehen lassen...es geht um Akzeptanz seiner selbst.

Dann erst können wir andere Menschen sein lassen, wie sie eben sind.

Liebes, Du bist so nah an Dir, an Deinen Kindern...so voller Gedanken...

ich umarm dich!
Barbara

P.S.
Meine Wortbestätigung ist "downi"...steht für Leichtigkeit, Schmetterling...von einer Blüte zur anderen, sich Nektar, Essenz mitnehmend..den Augenblick genießend :-)

dicke, alte Frau hat gesagt…

Oh, das klingt nach einer sehr harten Aufgabe.
Auch ich finde viele Parallelen zu meiner Schulzeit. Ich brülle auch manchmal, war schon immer so, aber ich bin eh ein Stimmenmensch. Darüber zeige ich der Billa und auch dem Lulian wann es reicht, bei Anderung wechselt die Stimme aber bei Beiden auch sofort in weich, liebevoll, lobend und freundlich.
Beiden hat es nicht geschadet, Cannelle bezeichnet die >Zeit mit mir als sehr glücklich, also denke ich, daß schon o.k. ist, denn irgendwie muß man seinem Unmut auch Luft machen, wenn die Zwei es "auf die Spitze treiben".
Das bedeutet nicht, daß mindestens 1X/Tag gebrüllt werden muß. ;-)))
>Ganz liebe Grüße, die Christiane

Elisabeth J.-S. hat gesagt…

Du hast Dir viele Gedanken gemacht. Mir geht es oft so, wenn ich es dann aufschreibe ist es ein wenig wie abgelegt. Und wenn Du so bist, dann ist das halt so. Was und warum soll man da was ändern.
Willst Du es wirklich? Und ich habe auch Zeiten, wo ich leider laut werde. Dann, wenn es ein paar Tage geht, kommen die Gedanken, ich bin mir dann selbst zu viel! Aber was sagt Robert, als ich mich entschuldigte, und meinte, tut mir leid, ich mag nicht gleich so aufgehen und ungeduldig sein. Ich versuch es wieder anders. Robert:"Ich kenn Dich schon immer so, und ich hab Dich doch lieb!" Und dann singt er ein Lied und für ihn ist es gut. Dann ändert sich sofort was bei mir, das ist wie Medizin.
Für Deinen Sohn ist es sicher schwer. Die Zeit hat sich nochmal so verändert. Die Anforderungen für Kinder sind so hoch. Doch ihr lebt so gut, es ist schön bei Euch. Das geht sicher positiv weiter.
Nur der Schlafmangel...da weiss ich auch keine Lösung. Robert hat noch nie durchgeschlafen, und wenn er nicht da ist, werde ich inzwischen trotzdem wach. Das ist Ernst und das macht auf Dauer viel Energie kaputt. Das merke ich momentan sehr. Ich habe das Gefühl, ich werde nie mehr stundenlang schlafen können.
Ganz liebe Grüße
Elisabeth

Muschelsucher hat gesagt…

Du scheinst doch gut durchs Leben zu kommen so weit.

Manchmal muß man zu dem stehe, wie man gestrickt ist.

Ich erfülle 10 von 12 Merkmalen einer taktilen Wahrnehmungsstörung und müßte eigentlich über schlimmste Beeinträchtigungen verfügen, denn so darf man eigentlich nicht lesen und schreiben lernen.

Mein Mann hat sich daran gewöhnt, daß ich einen Teppich erst barfuß einer Quietschprobe unterziehen muß, bevor wir ihn kaufen können ;-)

Wr haben 12 km Sandstrand vor der Tür und ich hasse Sand an den Füßen.

Dann habe ich nie gelernt, wie man lernt.

Sei wie du bist... und das ist gut.

Liebe Grüße