Manchmal ist mir einfach alles zuviel. Da könnte ich richtiggehend durchdrehen.
Dabei habe ich doch eigentlich keinen Grund zum Jammern.
Jeden Tag freue ich mich über den Kleinsten. Er ist ein richtiges Wunder für mich.
Die ersten zwei habe ich einfach so hingenommen, sie sind mir zugeflogen.
Wer mich an der Straße laufen sieht, mit Kinderwagen und zwei Kindern die sich dran festhalten- oder manchmal auch vorneweg rennend und ich dann hinterherbrüllend, der wird sich sicher, wenn auch nicht lang, irgendeinen kurzen Gedanken machen. Ich habe auch ständig Angst in eine Schublade gesteckt zu werden.
Relativ jung und 3 Kinder nacheinander- und meistens seh ich etwas lädiert aus. Weil ich froh bin, wenn alle angezogen sind und es losgehen kann. Unterwegs guck ich dann erst an mir runter.
Der Kleine ist wirklich ein Geschenk. Ich musste mit dem Kopf durch die Wand und es ging gottseidank gut aus.
Keine 3 Monate bevor ich mit ihm schwanger wurde habe ich einen Eileiter eingebüßt. Der ist nachts geplatzt und das war die Nacht der Nächte meines bisherigen Lebens. Ich habe jetzt eine Ahnung was Todesangst sein könnte. Wir haben damals keinen Krankenwagen gerufen- ich hatte so Angst, wollte aber trotzdem, dass mein Mann mich ins Krankenhaus fährt. Er musste mich anziehen und tragen. Ich konnte mich faktisch nicht bewegen. Alles ein einziger Krampf.
Ich wusste ja, dass was nicht stimmt und hatte auch schon selber den Verdacht auf Eileiterschwangerschaft.
5 Tage vorher wollte ich das geklärt haben. Das war ein Donnerstag. Meine Ärztin zur Weiterbildung. Ich hatte dann auch 15.00 Dienstbeginn bis zum nächsten Morgen 8.30 Uhr. Bin früh dann etwas eher auf Arbeit weg und zur Vertretungsärztin. Dort ewig gewartet. Schwangerschaftsttest war negativ. Zu Hause hatte ich aber positiv getestet. Im Ultraschall nichts zu sehen. Ich habe dann gedrängelt- ich kenne meinen Körper und ich hatte ja schon 2 Kinder und zusätzlich noch eine Fehlgeburt, wiederum erst 2 Monate davor.
Ich war nahtlos wieder schwanger geworden. Hatte aber gedacht, ich hätte es sofort verloren, da meine Regelblutung nur wenige Tage verzögert einsetzte- getestet hatte ich da gerade schon 2 Tage davor.
Ich sollte Recht haben, der Bluttest ergab einen erhöhten Schwangerschaftswert. Das erfuhr ich montags kurz vor der Mittagspause meiner Ärztin.
Ich hatte Spätdienst und nahm mir vor am nächsten Morgen das abzuklären.
Ich weiß nicht mehr was mich geritten hat, da auf Arbeit zu gehen statt zum Arzt.
Vielleicht auch die Angst, dass man mich nicht ernst nimmt. Und ich war auch sehr verunsichert, da dies in dem Sommer die zweite komische Frühschwangerschaft war.
Nachts wars dann alles zu spät. Vor der OP habe ich den Arzt noch angefleht vorsichtig zu sein, ich wollte unbedingt noch ein Baby. Ich habe geweint und das Blut lief aus mir raus. Das war einfach nur schrecklich. Gemerkt habe ich das nicht mehr, die Schmerzmittel taten ihre Wirkung und dann die Narkose.
Ich bin dann auf Anhieb, noch bevor ich das eigentlich durfte, mit unserem Kleinsten schwanger geworden.
Die Narben der OP taten mir weh und Ärger vom Arzt gabs auch. Ich musste aber wissen ob ich noch ein Kind kriegen kann- ich war irgendwie ganz komisch im Kopf. Erst wollte ich gar kein drittes Kind, zumindest nicht zu der Zeit. Dann als der Sommer so verlief, da hat mich Panik ergriffen, was wäre wenn...
Natürlich kann man mit einem Eileiter schwanger werden, die Chance besteht eben nur nicht mehr jeden Monat. Trotzdem kam ich mir so ein bisschen bestohlen vor nach der OP.
Die Schwangerschaft war die schlimmste der drei und die Geburt dann auch.
Ich dachte immer...Kopf geboren, Kind geboren.
Ich wurde belehrt. Die Schultern können auch kniffelig sein.
Er steckte damit der fest der kleine Kerl und ich hatte keine Kraft mehr. Irgendwie war er dann da. Ihn durfte ich dann nicht gleich haben, er hat nicht geatmet.
Erlösend - als mein Mann nach 5 Minuten mit zu ihm durfte. Nach einer Stunde konnte ich ihn nehmen. War ganz anders alles als bei den anderen beiden. Und als ich ihn dann endlich hattem war ich so schwach, ich konnte ihn fast nicht halten-obwohl ich so sehr wollte.
Warum ich das heute schreibe- weil ich sehr oft daran denke und ich das für mich, wenn auch unsortiert, aufschreiben wollte.
Bis kurz vor der Entbindung war ich immer mal, erst kürzer abständig, dann länger bei einem Psychologen. Fast 2 Jahre lang.
Mir gehts manchmal jetzt irgendwie nicht gut, ich überlege fast ob ich einen Termin mache. Dann wieder, denke ich, nein eigentlich gehts dir doch gut- so ein Unsinn. Die Frau Sozialpädagoge will sich da auch oft nicht die Blöße geben. Ich denk zu sehr darüber nach was andere denken, anstatt einfach zu leben.
4 Kommentare:
Liebes, weiß Du, man sollte nicht erst zum Psychologen, wenn es einem schlecht geht.
Pflege Deine Selle, tu ihr etwas Gutes...Du hast da ganz schön einen Weg hinter Dich gebracht...wundert Dich wilklich, dass etwas in Dir sagt:" Hilf mir! Mir gehts nicht gut."
Gott sei Dank kannst Du Dich hören, jetzt musst Du nur noch AUF Dich hören.
Wunden gehören behandelt...auch seelische :-))
Herzlich
Barbara
Liebe Katharina
ich möchte mich Barbara anschließen. Was würdest Du tun, wenn eine Frau mit so viel Erlebten bei Dir Hilfe suchen würde? Du bist ja auch in einem "Helferberuf". Lass es zu, das mit Dir jemand spricht, es ist für Dich, dann wieder für Deine Kinder, dann wieder für Dich als Helfende gut. Du wirkst schon recht stark, und es ist auch keine Schwäche. Es war einfach zu viel
Alles Gute
Elisabeth
Danke für die lieben Worte.
es ist auch gruslig- sobald ich jetzt "Seitenstechen", Bauchschmerzen oder jetzt vor kurzem das erste Mal nach der letzten Entbindung meine Tage hatte, bin ich richtig "aufm Sprung"- immer am Horchen, ob alles ok ist.
Die Erfahrung, dass man bei einer ELS trotzdem seine Monatsblutung bekommen kann und erst später merkt, dass man doch schwanger ist, aber eben falsch eingenistet- die hat mir die Schwangerschaft mit dem Kleinsten anfangs zur Hölle gemacht(bei mir wars ca 8te Woche zur OP- ELS schaffens wohl 6-9 Wochen zu "wachsen")
Ich bin nächtelang aufgewacht weil ich von Blut geträumt habe und musste mir dann immer erst klar machen, dass das jetzt nicht passiert, dass es nicht echt ist.
Das Leben ist auch weiter gegangen. Manchmal nachts ist es aber wieder ganz nah. Und dann ist neben mir im Bettchen der Kleine und dann weiß ich was Glück ist.
Die Schwangerschaft mit dem Kleinsten hat eine lang anhaltend schwere Zeit bei mir beendet- und nicht nur bei mir, auch bei meinem Mann, einige Jahre lief vieles schief und ich bin wirklich dankbar, dass nicht immer alles nur noch schlimmer kommt, sondern wenn man eine schlechte Zeit aussitzt und hart arbeitet manchmal auch belohnt wird.
Was würdest du einem anderen raten wenn er dich fragen würden wegen einer Therapie oder "zum Psychologen gehen"?
Und warum gelten für dich andere Maßstäbe?
Du hast viel um die Ohren und viel durchgemacht - und du hast ein Recht darauf, dass es dir gut geht - auch wenn du noch nicht "ganz unten" bist - oder da vielleicht nie landest - darf es dennoch "besser" gehen.
Nimm dich und deine Bedürfnisse ernst - das ist wichtig - vergiss dich nicht und stell dich nicht (immer?) hintenan - du hast besseres verdient!
liebe Grüße
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