Samstag, Mai 17, 2008

Tropical Islands

Ich möchte erneut zu meiner nunmehr nicht mehr neuen Arbeitsstelle etwas berichten.

Am 1.Mai, dieses Jahr fielen der Tag der Arbeit und Himmelfahrt, Männertag genannt, zusammen, wir haben also dem Staat eine Menge Geld gespart. Unfreiwillig natürlich.

Am 1. Mai also wurde eine Ausfahrt mit den Jugendlichen geplant und selbstredend auch durchgeführt, nicht zuletzt um eine Alternative zum Saufen als zwingendem Bestandteil des Männertags zu bieten. Die Jugendlichen bestimmten Ziele, wir zwei Durchführenden entschieden dann zu unserem Gunsten sowie im Rahmen der Machbarkeit finanzieller und organisatorischer Natur. Topical Islands, 35km südlich von Berlin Schönefeld sollte es dann sein.

Eine ehemalige Zeppelinhalle, umgebastelt zu einem riesigen tropischen Kuppelding. Tropen unter der Käseglocke. Es klang alles vielversprechend und man fuhr froher Dinge los. An keinem anderen Feiertag sieht man früh soviele Menschen auf der Straße wie an diesem Tag- die Macht des Alkohols, an diesem Tag legitim früh schon "total steif" zu sein- wie "meine" Jugendlichen sagen würden. Wir fuhren durch diese irrwitzigen Menschen hindurch gen Berlin.

Dort angekommen standen wir fast zwei Stunden an der Kasse. Wir haben sehr ineffektiv gedrängelt wenn ich mir die Methodik mancher Mitbürger begutachtet habe, versuchte man es selber erntete man von denselbigen Empörung. Das war so das erste tolle Erlebnis. Drin dann nach Speicherung der 25 Euro Eintritt die ersten Schreckgedanken, jeder Jugendliche mit einem Spindschlüssel auf dem alle Ausgaben gespeichert werden, gezahlt wird beim Verlassen der Zauberwelt.

Das Klima da drin war gewöhnungsbedürftig- sehr warm, hohe Luftfeuchte (85%) und irgendwie stickig- weil halt doch künstlich erzeugt. Man gewöhnte sich aber tatsächlich schnell. Im Laufe der kommenden zwei Stunden gelang es uns erstaunlicherweise 8 Holzliegen zu ergattern die alle ziemlich dich beisammen waren. Diese eben erwähnten Holzliegen befanden sich an der sogenannten Südsee, dem größeren der zwei vorhandenen Gewässer. Zwischen den terrassenartig angelegten Stufen auf welchen die Liegen ihren Platz hatten, konnte man durch Sand zum Gewässer waten. Ich schätze die Größe auf das Doppelte des Lengefelder Freibades, für Unwissende- dieses ist 50m mal 20m. Die Südsee umschlang eine Showbühne. Amüsant fand ich das Transparent welches an der Halleninnenseite befestigt war und echtes Südseeflair mittels Bildaufdruck herzaubern sollte. Die Lagune ist kleiner und umrahmt von Kunstfelsen, an einer Stelle grottenhaft mit einer Art Wasserfall, Whirlpoolbänken, einem Strudel und ähnlichem. Ein ziemlich großes Kinderbecken mit allerlei Spielgeräten fehlte ebenfalls nicht.
Der Rutschenturm umfasste 3 Rutschen, die eine vollständig geschlossen und sehr steil. Ich wurde von zwei unseren Jungs mit Engelsgeduld dazu überredet es zu versuchen. "Ich rutsch vor Ihnen, er hinter- es wird nichts passieren, das geht ganz schnell, machen Sie einfach die Augen zu!" Hm, ich mag es nicht nicht zu sehen was geschieht, aber ich tat wie mir befohlen, und das war gut so, ich wäre womöglich erblindet, so zumindest das Gefühl. Der Wasserstrahl war dermaßen hart beim Auftreffen und die Rutschpartie rasant, dass ich noch eine Minute Ohrendruck hatte und eine mit der Bratpfanne drüber ergibt am Kopf kein andres Gefühl. Nein- das nicht sogleich wieder. Vielen hat diese Rutsche Spaß gemacht, mir eher Angst.
Eine Minigolfanlage sowie die Möglichkeit angeleint im Heißluftballon in der Halle zu schweben, waren die Alternativen zum Beachvolleyball spielen, einfach relaxed auf der Liege zu verweilen oder zu baden. Das Showprogramm am Abend war billig gemacht- darf wohl nix kosten, weil im Eintritt inbegriffen. Einmal drin in der Landschaft kann man bleiben solange man will. Das Mitbringen von Speisen ist unerwünscht und schnell begreift man wie sich Tropicals Islands finanziert. Die Gastronomie dort ist hundeteuer. Die Auswahl war gering. Das Thai- Restaurant traf nicht mein Geschmack- dort konnte man am Büffett wählen was man gebraten haben wollte, die Auswahl war aber dürftig für den Pauschalpreis von knapp 10 bzw knapp 15 Euro (mit oder ohne Nachholen) ohne Getränke. Alternativ konnte man in einer Art Fastfood- Restaurant für 6 Euro aufwärts Mc Donalds ähnliches erwerben. Das Frühstück kostete am Büffett 13,50 Euro, für die Finanzlage eines Projektes der Heimerziehung nicht finanzierbar- das hatten wir so extrem auch nicht vermutet. Das verärgerte dementsprechend. Wir hätten gern bescheidener gespeist als angeboten für entsprechend weniger Geld, speziell was das Frühstück anbelangt. Die Crèpe-Bar war ab 19.00 Uhr geschlossen, mit der hätte ich mich nämlich anfreunden können, geschmacklich und auch preislich.
Für Raucher gab es ein wirklich schickes Haus zum "chillen" (so ein Wort, gruslig!), unverschämt, dass es das für Nichtraucher nicht gab, denn dort war es wirklich gemützlich mit Matratzen (täglich frisch bezogen), kleinen Schemeln für Getränke, das Gebäude aus Holz.
In der Mitte der Halle befand sich ein Urwaldpfad, kleine Fisch- und Schildkrötentümpel- die haben übrigens gebissen- bereicherten die tropische Pflanzenwelt. Die Pflanzen sahen allesamt angeschlagen aus, trotz täglicher Sprengung, das Klima lässt sich wohl doch nicht so 100% nachbilden.
Möglichkeiten an Getränke zu gelangen waren reichlich vorhanden. Ich habe mit Bora Bora meinen Horizont der alkoholfreien Cocktails erweitert und behalte dieses Getränk als lecker in Erinnerung. Genehmigt habe ich mir diesen Barbesuch zusammen mit einem unserer Jungs, dem momentan jüngsten, einem Alkoholkranken. Der Abend war ziemlich aufschlussreich, die anderen Jungs sind stundenlang irgendwelchen Mädchen nachgelaufen, der eine eben genannte hatte mich aus freien Stücken um meine Begleitung gebeten. Durch solche Gelegenheiten bleibt viel hängen für die Zeit nach solchen Ausflügen, wo wieder der Alltag drückt und Reibereien wegen verschiedener Auffassungen zu Ordnung, Pünktlichkeit und Autorität auftauchen. Ich war erst skeptisch wegen des "langen Dienstes"- aber ich bin wirklich bereichert wieder in den normalen Berufs und auch privaten Alltag wiedergekehrt.
Die Nacht haben wir dann alle auf den Holzliegen verbracht, ich hatte als einzige an eine Isomatte gedacht, die war ich aber schnell los, weil nicht ersehen konnte wie einer der Jungs dank vergessenen Schlafsacks babarisch hätte ruhen müssen.
Statt einem Gute Nacht klang der Satz "Und wenn Sie schlafen gibts nen Eimer Wasser drüber" nach. Mein Angebot mit einem Eimer Sand zu zahlen, wurde ignoriert. Früh der erste Satz dann
"Wenn Sie schlafen mit den zerstrubbelten Haaren, sehen Sie aus wie ein Schaf, da wollt ich nichts drüberschütten". So sind sie. Man kann sie nur lieben oder hassen.

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