
Als 8-jähriges Mädchen las ich das erste Mal die Wendy.
Ein Nachbarsmädchen, 5 Jahre älter, nahm mich fast zeitgleich mehrfach mit in den Haflingerhof.
Haflinger sind fuchsfarbene Kleinpferde mit heller Mähne, die Blonden aus Südtirol eben. Ihr Stockmaß, d.h. die Höhe gemessen am Widerrist- der Stelle wo der Rücken aufhört und der Hals beginnt- bewegt sich um 1,40-1,48m. Sie sind damit vom Maß her Ponies, ich bestehe allerdings auf den Begriff Kleinpferd. Per Definition ist ein Pferd ein Pferd bei 1,48m.
Jedenfalls nahm das Unheil seinen Lauf als das Angebot des Nachbarsmädchens kam sie bei ihren Pferdebesuchen im Reitstall zu begleiten.
Kurz darauf saß ich nämlich selber regelmäßig im Sattel und erwarb somit mein liebstes und bis heute gepflegtes Hobby. "Es dreht sich nicht alles nur um Pferde" war ein beliebter Satz meiner Mutter. Worte aus dem Munde eines Menschen der nicht den Kitzel kennt, wenn man mit einem Großpferd durch einen Parcours mit Hindernissen jagt.
Mit 14 hatte ich es geschafft, ich bekam meinen eigenen Haflinger. Mit 19 dann erfüllte ich mir einen Traum. Der Weg zum eigenen Fohlen war geebnet, wir hatten kein Platz, aber im Herbst würde es ja eh verkauft werden. So sagte ich mir. Besser, so redete ich es meinem Umfeld ein damit keine Zweifel daran aufkommen, dass der "Plan Fohlen" ein guter ist. Mein Denken war darauf ausgerichtet dieses Fohlen zu behalten, groß zu ziehen, aufwachsen zu sehen und eines Tages selber einzureiten. Ein weiterer Traum, ein Pferd selber einreiten, nach den eigenen Wünschen formen- ein unsichtbares Band schaffen welches kein anderer mehr zu diesem Tier herstellen kann. Das Wissen, die größte Chance zu haben nahezu grenzenloses Vertrauen eines Pferdes zu erlangen indem man es von klein auf kennt und nur dann genau zu wissen was dem Tier je wiederfahren ist, beflügelte mich. Ich ritt meine Stute nach den Vorlesungen und am Wochenende zum 12 km entfernten Hengst, mitunter hin und zurück. Es wollte nicht sogleich gelingen also hoffte und bangte ich 3 Rosseperioden lang und ritt immer neu von dem Wunsch nach dem Fohlen beseelt. Vor meinem geistigen Auge sah ich es bereits auf der Wiese stehn. Einmal, es war bereits abends und ich sah mit Schrecken, dass die Stude wieder rosst und somit nicht tragend ist, musste unser alter Escort den geschwind organisierten Hänger ächzend über die Berge zerren. Im Rauensteiner Tunnel dachte ich der Hänger reisst uns zur Flöha zurück.
11 Monate später, im Mai 2004, war es soweit. Malwin wurde geboren. Ich selber war hochschwanger, was mich nicht davon abhielt mehrere nächtelang nachts nach der Stute zu sehen. Schlussendlich hat sie den kleinen Hengst leider unbeobachtet zur Welt gebracht.
Der Sommer verging und die Zeit des Abschieds sollte unweigerlich kommen, es gab kein Abschied. Er blieb Hengst und blieb bei mir. Als Jährling wurde er leider zum Wallach degradiert, länger war es für mich nicht tragbar ihn als Hengst laufen zu lassen, griff er doch in seinem Übermut auch mich an. Ehe aus Spiel Ernst und stetes Gerangel um die Rangordnung entsteht, musste ich leider den Schritt gehen. Hengstaufzucht ist etwas für andere, vor allem jene mit Spielgefährten auf der Weide für den Halbstarken zum Hörner abstoßen.Viel Geld floss die letzten drei Winter in Pensionsgebühr, ich hatte keinen Platz für ihn. Im Sommer stand er dann mit seiner Mutter auf der Weide und entwickelte sich zu einem wunderschönen Haflinger.
Ich kann stolz sagen, ich habe schon neidvolle Blicke für seine regelmäßige, kräftige Fuchsfarbe, die helle dichte Mähne und seine geschwungenen, kräftigen Bewegungen geerntet. Verkauf- indiskutabel. Vor wenigen Wochen, im April, hat er mich zum ersten Mal getragen. Herzflattern pur. Drei Jahre Geduld und Spannung haben sich gelohnt, er ist gehorsam und lernt schnell. Der erste Galopp im Gelände war wie nochmal das erste Mal galoppieren, so lang herbei gesehnt und die Erwartungen wurden übertroffen. Wenn sein Fell golden in der Sonne glänzt und er federnd über die Koppel trabt, kann ich mich kaum satt sehen. Der Laie mag nur ein Pferd sehn, ich seh ein lebendig gewordenen Traum. Aus dem schlaksigen, disharmonisch gebautem Halbjährigen auf dem Foto(die 98 in der Ecke steht immer da, das Datum wurde nie eingestellt) ist ein kompakter, durch Kraft, Harmonie und Schönheit bestechender Haflinger geworden.
3 Kommentare:
Ich finde das eine tolle Sache. Sei stolz drauf. Und gib dieses "Geschenk" niemals her. Das bezieht sich auch auf andere Dinge, die du besitzt.
Es gibt auch Geschenke die niemand haben will... und das schlimme an Geschenken ist das man sie sich nicht erarbeitet hat... Geschenke bekommt man von anderen... Andere haben meist ganz eigene Vorstellungen...
Das Glas kann halbvoll oder halbleer sein. Man kann die Oberfläche betrachten oder bis zum Grund sehen. Man kanns trinken oder stehen lassen.
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