Jeder kennt das, wenn nicht von sich selber, dann von anderen:
das Feierabendbier
Wusstet ihr, dass ca 1,5 Mio Menschen in Deutschland , manche Quellen gehen von höheren Zahlen aus, alkoholabhängig sind? Dass genau nochmal soviele bereits ein richtiges Problem haben, also Alkoholmissbrauch betreiben?
Dass man die Summe auf 10 Mio hochschieben kann, wenn man die noch mit zählen möchte, die sich bereits im gefährdeten Bereich im Umgang mit Alkohol bewegen?
Reichlich 80 Mio Einwohner hat Deutschland, davon sind nicht alle trinkfähig- Kinder unter 10 (ja ich schreibe bewusst nicht 12 oder 14- traurige Wahrheit) ein Teil der "Alten" oder Kranke fallen nämlich raus.
Jährlich kommen ungefähr 50.00 Leute an den Folgen überhöhten Alkoholkonsums um (so genau lässt es sich nicht mal rausfiltern, ich denke tatsächlich ist die Zahl höher).
Folgende 2 Punkte habe ich noch von der Seite des Blauen Kreuzes stibitzt um vollständig zu sein:
- Im Jahr 2006 kam es zu über 20.000 Unfällen wegen Alkohol am Steuer. Dabei wurden 600 Menschen getötet.
- Schätzungsweise jedes siebte Kind leidet unter der Sucht eines oder sogar beider Elternteile. Das entspricht 2,6 Millionen Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren.
Ein Heer Co-Abhängiger bewegt sich um uns herum. Alles liebe Ehefrauen, Kinder und Anverwandte, die Vater, Mann oder wen auch immer schützen wollen und damit genau das Gegenteil erreichen. Deckeln bis der Arzt kommt, im wahrsten Sinne des Wortes. Das ist kein Vorwurf, es ist bittere Wahrheit.
"Wahr haben wollen" ist sowieso noch eine andere Geschichte. Und wenn mans dann wahr hat, muss akzeptiert werden, dass man wenns schon zur Abhängigkeit gekommen ist, lebenslang krank ist, nämlich suchtkrank. Man(n) muss dann bis zum letzten Atemzug Willenstärke aufbringen.
Ich habe bewusst die Männer betont, da mehr Männer betroffen sind als Frauen. Frauen greifen lieber zur Tablette.
Ich habe bewusst die Männer betont, da mehr Männer betroffen sind als Frauen. Frauen greifen lieber zur Tablette.
Ich spreche also von einer breiten Masse der Bevölkerung, mehr als 15%- die auf dem Glatteis tanzt oder gar schon eingebrochen ist. Manche tanzen auch danach noch weiter bis zum nächsten Einruch und wieder zum nächsten...
Studien ergaben, dass wir Deutschen weltweit auf Rang 5 im pro Kopf Verbrauch liegen. Ungarn und Irland liegen vor uns, wer noch habe ich vergessen, der geneigte Leser mags per google rausfinden.
Rang 5! Mit über 110 Liter Bier pro Nase, mehr als 20 Liter Wein um nur ein Teil der Alkoholika zu nennen- so das Resümee für 2008. Wahnsinn. Ich trinke gar kein Bier, mein Mann auch nicht- gibt aber offenbar genug, die das "ausgleichen".
Studien ergaben, dass wir Deutschen weltweit auf Rang 5 im pro Kopf Verbrauch liegen. Ungarn und Irland liegen vor uns, wer noch habe ich vergessen, der geneigte Leser mags per google rausfinden.
Rang 5! Mit über 110 Liter Bier pro Nase, mehr als 20 Liter Wein um nur ein Teil der Alkoholika zu nennen- so das Resümee für 2008. Wahnsinn. Ich trinke gar kein Bier, mein Mann auch nicht- gibt aber offenbar genug, die das "ausgleichen".
Zurück zum Feierabendbier
Es ist gefährlich.
Warum? Weil es hohen Stellenwert einnehmen kann, man möchte nicht darauf verzichten, man hat sich daran gewöhnt. Gewöhnung ist bereits eine Falle.
"Ich könnte, wenn ich wöllte, aber warum sollte ich? Ich kann jederzeit aufhören"
Ja, dann mal los! Was passiert dann, ist man wener zufrieden, vielleicht sogar aggressiv und unausgeglichen? Dann Alarm.
Aber ich schrei schon eher Alarm- auch wenn alles in Butter ist.
Das Feierabendbier stellt nämlich Weichen. Es werden Muster geschliffen, die man nicht einfach wieder ausmerzen kann und man greift evtl in mieser Lebenslage darauf zurück und dann ist das Feierabendbier Geschichte, es wird zum Feierabendschnaps oder Bierkasten
Die Abhängigkeit kommt schleichend und gesundheitliche Folgen bemerkt man meist gar nicht, oder eben erst zu spät.
Ab wann Abhängigkeit eintritt ist verschieden, man kann es nicht unbedingt an der Trinkmenge festmachen. Sondern an oben genanntem, den Wert, den das Glas für mich einnimmt.
Es wird geraten nicht mehr als 2 Standardgläser Alkohol täglich zu trinken. Das bedeutet 2 Biergläser zu je 0,25 l oder 2 Weingläser zu 0,1 l.
Frauen die Hälfte! Warum? Simpel: die Leber der Frau baut den Spaß schlechter ab, sie hat weniger der notwendigen Enzyme.
Und mit der Trinkmengenbeschränkung ists nicht getan: Mindestens 2 abstinente Tage, also gar kein Alkohol, jede Woche sollten drin sein- für jedermann- Muster durchbrechen oder am Besten nicht entstehen lassen.
Schön ist auch: "ein Gläschen Wein am Abend senkt das Risiko für dies und jenes, in Maßen ist das gesund!"
So oder so ähnlich.
Richtig ist das zwar, dass das Risiko für gewisse Erkrankungen ab gewissem Alter (und das gehört dazu!) gesenkt wird: aber man nimmt einen hohen Preis in Kauf...weils eben leider Kippen kann und man hat Alternativen um sich gesund zu halten und Risiken zu senken- Obst und frische Luft, bisschen Sport... und das hat keine Nebenwirkungen!
Wieso heute so eine Predigt?
Herzensangelegenheit und gestern wieder auf Arbeit gewesen...
Es musste raus aus meinem Kopf und es richtet sich an niemand speziell, gar nicht.
Zum Abschluss nochmal eines meiner liebsten "Gedichte", wurde schon in einem früheren Posting gezeigt, passt aber wieder mal :
Wenn Du einem
geretteten Trinker begegnest,
dann begegnest Du einem Helden.
Es lauert in ihm schlafend der Todfeind.
Er bleibt behaftet mit seiner Schwäche
und setzt seinen Weg fort
durch eine Welt der Trinkunsitten,
in einer Umgebung,
die ihn nicht versteht,
in einer Gesellschaft,
die sich berechtigt hält,
in jämmerlicher Unwissenheit
auf ihn herabzuschauen,
als auf einen Menschen zweiter Klasse,
weil er es wagt,
gegen den Alkoholstrom
zu schwimmen.
Du sollst wissen:
Er ist ein Mensch erster Klasse!
geretteten Trinker begegnest,
dann begegnest Du einem Helden.
Es lauert in ihm schlafend der Todfeind.
Er bleibt behaftet mit seiner Schwäche
und setzt seinen Weg fort
durch eine Welt der Trinkunsitten,
in einer Umgebung,
die ihn nicht versteht,
in einer Gesellschaft,
die sich berechtigt hält,
in jämmerlicher Unwissenheit
auf ihn herabzuschauen,
als auf einen Menschen zweiter Klasse,
weil er es wagt,
gegen den Alkoholstrom
zu schwimmen.
Du sollst wissen:
Er ist ein Mensch erster Klasse!
Friedrich von Bodelschwingh
5 Kommentare:
Oh, was hast Du da für einen bemerkenswerten, bewundernswerten Post geschrieben. Wie kann ich den jetzt weiterverbreiten?
Ich unterschreibe jedes Wort!
Und nun noch zu Deinem Kommentar. Wir haben echt eine Individualbegleiterin. Ich weiss noch immer nichts Näheres. Da ist unsere Schule schlimm. Und ich geh noch vorsichtig damit um...wie mit einer Seifenblase...nicht, dass sie zerplatzt. Fang aber schon an mich drüber zu freuen.
Bist Du wieder fit und die Kinder auch?
Ich wünsche Dir einen schönen Abend
Elisabeth
Weitersagen hab ich als Überschrift gewählt, weil ich mir wünsche, dass man nicht wegguckt und wenn sich Gelegenheit bietet- und die bietet sich oft, wenn man acht gibt, Dinge nicht hinnimmt. Das beginnt bei der Bierwerbung im Fernsehen- (wieso gibt sich ein Til Schweiger dafür her?) und geht weiter bei Kinderbier, Kindersekt und Kinderbowle (die käuflich zu erwerben, nicht das was man als Erfrischung mal für seine Kinder zu Geburtstagen selber macht aus Früchten und Saft!). Muss man Kinder an den Geschmack heran führen? Muss man ihnen das Wort in den Mund legen? Ich sehs inzwischen sehr verbissen, weil zu sehr "drin". Wo fängt man an, wo hört man auf...
Aber es wird soo oft bagatellisiert und runtergespielt. Wenn man mal aufpasst, wieviele Festivitäten (kulturelle, dörfliche, oder auch nur Familienfeiern) gibt es denn, wo man nicht Alkohol mit hat? Es ist total normal, es gehört dazu. In Brautreden wird sich bereits vorher über jene belustigt, die dann später unterm Tisch liegen. Lieder handeln von Trinkerei.
Abends zum Runterkommen eins zischen..."jeder" nickt und versteht. "Ich geb dir einen aus"- ablehnen wird als Beleidigung aufgefasst. "Welche Sorte Wein darfs sein"- stat "Möchtest du Wein"- es ist alles so selbstverständlich.
Gruslig, je mehr ich drüber erfahre.
Ich trink an einem Sommerabend wenn Freunde da sind auch gern ein Glas Wein. Ich schaffs im Jahr wenns hochkommt auf 2 Flaschen Wein. Bier gar nicht.
Und ich tendiere momentan dazu, es ganz zu lassen.
Es ist mein blog, ich darf hier rigoros sein ;-) Was andere machen ist deren Ding- ich möchte aber etwas gegen die Gleichgültigkeit und Sorglosigkeit und Blindheit tun. ;-)
Ja meine liebe Katharina, all diese Erfahrungen habe ich auch gemacht.
Ich habe selbst 8 Jahre lang sehr viel getrunken, 6x/Woche Vollrausch, als ich nach den 8 Jahren völlig am Boden war, habe ich von einem auf den anderen Tag aufgehört. Da ich glücklicherweise körperlich nicht abhängig war, hatte ich ja keinen Entzug.
Ich trinke zwar noch Alkohol, aber nicht öfter als vielleicht 10x/Jahr, keinen Rausch mehr, ich bin sehr dankbar, daß ich so davongekommen bin, denn mein Verdienst war es nicht, daß ich nicht abhängig war, es hätte anders ausgehen können. Deshalb bin ich einfach nur dankbar.
Ganz liebe Grüße, die Christiane
Ein sehr wichtiges Thema das uns alle angeht und auch Sorgen machen muß. Ich habe dazu auch einen Bericht schon fertig und poste ihn demnächst, denn die Sucht Alkohol und alle damit verbundenen Gefahren und Probleme sind in diesem Land zwar allesamt bekannt, doch wie immer haben die Lobbyisten so viel Macht, das ganze zu verniedlichen.
Ich werde Deinen Bericht darin weiterempfehlen!
Sei lieb gegrüßt
Kvelli
Hab dir bei mir im Blog mal geantwortet.
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