Donnerstag, Juli 12, 2007

Istrien- Historisches, Künstlerisches, Kulinarisches sowie Sonne und Meer satt


„Die liebe Sonne lacht dich aus!“ (Sohnemann)







Seit Sonntag Nachmittag hat mich Deutschland wieder, braun gebrannt von Kopf bis Fuss- teilweise schmerzhaft rot, das blond noch eine Nuance heller, nicht wirklich erholt aber an Eindrücken reicher. In Rekordzeit von 10 Stunden, einschließlich ca. 1h Pause, wurden die 1000km zurück gelegt. Stau oder Unfälle konzentrierte sich stets auf die Gegenspur, mein Mitleid mit ihnen. Das Glück ist mit den Dummen mögen böse Zungen behaupten.
Inzwischen ist der Hausrat aus dem Auto entfernt und der Wäscheberg abgeschmolzen, der Alltag hat mich wieder.
Die zweite Urlaubshälfte erfreute ein fiebriger Sohnemann und strapazierte die Nerven, nachts mehr noch als am Tage. Eine zerstörte Nachttischlampe, Frau Tochter hat ihr Stehvermögen an derselbigen ausprobiert, sorgte für mehr trouble als nötig mit der Vermieterin.
Die Sonne sticht vom strahlend blauen Himmel herab und läßt das Meer glitzern, übrigens sauberes, klares und angenehm temperiertes Wasser. Durch viele Buchten meist ruhig oder in leichten Wellen, tobt es mal mit schäumenden Wellen so erscheint es am nächsten Tag um so klarer.
Mediterranes Flair bei rotbrauner, toniger Erde, keine grünen Rasenflächen, dafür Carports mit sich rankenden Kiwipflanzen oder Weinreben als Dach dienend. Feigen und Olivenbäume, Palmen und blühende Oleander, Steilküste oder traumhafte weiße Kiesstrände, manchmal angelegte Badeplateaus und allgegenwärtig das laute Zirpen der für deutsche Verhältnisse überdimensionalen Grillen, je heißer desto lauter. Ein freundliches „Bueno Sierra“ von jungen südländischen Burschen, welche an den Eingängen gemütlicher Restaurants um die Gäste werben oder ein fast schon gellendes „Gelati“ von mit Eiskugeln jonglierenden Albanern und Italienern. Das ist Istrien.
Grässliche Steine, die ungeschützen Füssen im Meer zusetzen und unverhofft flache Stellen mit fiesen Steinen, will sagen Felsbrocken buckligen Auswuchses die Kniee blutig schlagen, auch das ist Istrien. Hocherotische, durchsichtige Kunststoffbadelatschen mindern das eine Übel, für das andere gibt’s keine Lösung, außer Augen auf oder Neoprenanzug- aber wer begibt sich schon mit letzterem an einen Badestrand.


Porec











Bereits zum dritten Male wurde Porec unser Urlaubsziel, begründet darin, dass das Meer vor der Nase liegt, sich italienische Eisverkäufer, Cafés und kleine Restaurants mit verschiedensten Gaumenfreuden an der kilometerlangen Strandpromenade aneinanderreihen und der wirklich sehenswerten Altstadt. Am Hafen legen verschiedenste Kutter und kleinere Schiffe zu Rundfahrten ab. So kann man sich Drehorten von Winnetous Schatz im Silbersee und der sehenswerten Stadt Rovinij zu Meer nähern, bekommt für wenig Geld einen Tagesausflug mit atemberaubendem Panorama entlang der Küste inklusive Fischessen, Landausflug und Badestop geboten.







Groznjan







Abgelegen vom Massentourismus, kann man faszinierende Dinge entdecken, so auch 30km nordöstlich von Porec.
Etwa 300 m über NN liegt ein mittelalterliches Städtchen, man möge sein Unterboden nicht allzu lieb haben, wenn man sich von der Haupstraße weg die ca 4,5km die kurvige, steinige Straße hinauf begibt. Die Familienkarre ist durch nichts mehr zu entstellen, sie musste da rauf, weil ich es so wollte. Ein Kroate hat ein Tag später mangels umsichtiger Fahrweise einen Seitenspiegel massakriert, der Kombi war also doch noch mehr entstellbar.
Das wirklich idyllische Örtchen war nach dem zweiten Weltkrieg dem Verfall Preis gegeben. Verschiedene Künstler erwarben die Häuser für einen Apfel und ein Ei um sie retten. Heute leben ca 185 Einwohner im Ort, der Großteil Künstler. Die Gemeinde Groznjan umfasst etwa 700 Menschen, mehr als die Hälfte sind Italiener, ein Viertel Kroaten, zehn Prozent Slowenen.
Die engen Gassen und liebevoll instand gehaltenen Häuser verzaubern und mehr als 20 Ateliers laden zum Staunen und Kaufen ein. Teilweise kann man den Schaffenden bei der Arbeit zusehen. Wäre ich reich besäße ich jetzt eine wirklich schöne Wanduhr aus Ton, handgefertigt sowie Blumen“töpfe“ zusammengefügt aus lauter kleinen Steinbruchstücken und ein Ölbild. Ich bin aber nicht reich, deshalb begnüge ich mich mit einer Kette.
Ist man zur rechten Zeit dort kann man an Workshops teilnehmen und Konzerten erlesener Art in der hiesigen Kirche lauschen.
Zwei Konobas, ich nehme an zu übersetzen mit „Taverne“, laden in der Ortsmitte zu kulinarischen Genüssen ein. Hausgemachte Nudeln u.a. mit kroatischen Trüffeln als Beilage, munden auf etwas erhöht liegender alter Terasse. Mit etwas Glück wird das Essen von Violinen und Klavierklängen untermalt, Musik und das Üben selbiger ist in den Gassen präsent und durch offene Fensterläden gut hörbar. Die Aussicht von der Anhöhe nebst künstlerischen Ergüssen in den Ateliers und Galerien lohnen die Tour ins istrische Hinterland anzutreten.


Rabac- oder auch die "Perle der Kvarner Bucht"


Üppige mediterrane Vegetation, weiße Kiesstrände und kristallklares Wasser mit Sand unter den Füßen nach wenigen Schwimmzügen, die Häuser dicht an dicht an den steil zum Meer abfallenden Hang geschmiegt- das ist Rabac an der Ostseite Istriens. Inzwischen leider sehr beliebt, vor Jahren noch ein Geheimtipp. 73 km einmal quer über die Insel von Porec aus, eine Fahrt die sich durchaus gelohnt hat, nicht nur das Ziel, auch der Weg.


Brionische Inseln: Veli Brijuni- Titos Residenz








links: der 1700 Jahre alte Ölbaum

rechts: Küste/Strand von Veli Brijuni, zu Sehen auch die Reste der Römersiedlung


Nahe Pula, früher Militärhafenstadt, heute noch mit Werft und mit 3000 Jahren ältesten Stadt an der Ostadria, am Südzipfel der Halbinsel Istrien, befindet sich das Brijuni Archipel, bestehend aus mehreren Inseln.
Veli Brijuni, mit 5,5 km² die Größte, haben wir besucht. Mit dem Schiff setzten wir 9.00 ab Fazana, einem kleinen Fischerdorf nahe Pula, über, 3km trennt Veli Brijuni vom Festland.
1894 erwarb ein Österreicher die Inseln. Robert Koch befreite die Inseln von der Malaria und kurz danach wurde das damals die Inseln überziehende Sumpfgebiet trocken gelegt. Irgendwie geriet das Archipel in Staatsbesitz und wurde nach dem zweiten Weltkrieg Sperrgebiet und beliebtester Aufenthaltsort Titos. 1984 wurden die Inseln zum Nationalpark erklärt und der Öffentlichkeit zugänglich.
Josip Broz, Deckname „Tito“ hat als Partisanenanführer Geschichte geschrieben, als einziger sozialistischer Szaat hat sich Jugoslawien selbst befreit im zweiten Weltkrieg und damit ohne Besatzungsmacht einen blockfreien sozialistischen Staat gegründet. Tito wurde Regierungschef und blieb es bis zu seinem Tode. Trotz diktatorischer Methoden und Sozialismus wandte er sich gegen Stalin, warb für die Blockfreiheit und suchte Gleichgewicht zwischen Ost und West. Die Betriebe in seinem Land genossen wesentlich mehr Freiheiten, es herrschte Reisefreiheit usw...Die Meinungen über ihn sind ambivalent, die einen mögen in ihm einen Diktator sehen die anderen einen Befreier.
Titos Begräbnis 1980 als er im Alter von 88 starb war ein Ereignis das sondersgleichen sucht.
4 Könige, 31 Staatspräsidenten, 22 Premiers und 47 Außenminister, dazu Prominente wie Indira Ghandi, Margaret Thatcher, Willi Brandt und zahllose mehr erschienen. Die Führer von Ost und West, und nahezu allen Ländern dazwischen, hatten sich in Jugoslawien versammelt, um Tito die letzte Ehre zu erweisen
Auf Veli Brijuni angekommen ging es zuerst mit einer Inselbahn etwa eine Stunde zur Rundfahrt quer über die Insel. Ein einem kleinen Safaripark, in dem u.a. zwei Elefanten leben welche Tito von Indira Ghandi geschenkt bekam, waren Zebras und anderes Getier zu sehen. Tito liebte Tiere und bekam sehr oft als Staatsgeschenk verschiedenste Exoten. Ein Teil lebend der andere ausgestopft. Die Sammlung ausgestopfter Tiere umfasst etwa 200 Exemplare und konnte im Anschluss an die Inselrundfahrt besichtigt werden. Außerdem gab das Museum wirklich interessante Einblicke in Titos Leben und damit die Geschichte Kroatiens und die der Inseln. Eine Ausstellung mit Dokumenten, Notizen und Fotos über und von dem Österreicher waren ebenfalls recht sehenswert. Brijuni hatte sehr zeitig Elektrizität und Wasserleitungen, dank seinem wohl recht wohlhabendem Besitzer. Überhaupt wirkt das was man über die Inseln zu Sehen und Lesen bekam außergewöhnlich und streckenweise elitär. Heute noch ist der Bereich um die weiße Villa, Titos Wohnhau, gesperrt und Residenzgebiet vor dem kroatische Soldaten Wache stehen.
Wer teilhaben möchte an der in meinen Augen außergewöhnlichen Insel, kann dort Urlaub machen, muss dazu allerdings etwas tiefer in die Tasche greifen.
Überreste römischer Siedlungen der ersten Jahrhunderte, ein 1700 Jahre alter Olivenbaum, Pinienalleen und eine römische Kirche der ersten Jahrhunderte mit Fresken und fast 2000 Jahre altem Mosaikboden rundeten die Besichtigungstour ab. 4 Stunden waren nicht viel Zeit so dass der Blick für Kakteen, Yuccapalmen und uralte Weinamphoren fast verstellt wurde.
Immerhin weiß ich jetzt, dass 10 Kilo Oliven für ein Liter Olivenöl nötig sind. Selbst der uralte Baum der Insel bringt noch 5 Liter jährlich zustande. Die Mittouristen wurden von unserem Kinderchaos unterhalten und meine Nerven haben das Ganze irgendwie überlebt und es sind faszinierende Kleinigkeiten von der Inseltour haften geblieben. Mit größeren Kindern oder ganz ohne lohnt es sicher die größere Exkursion zu wählen um ein Picknick und die Möglichkeit zum Baden auf der Insel wahr zu nehmen. Ich erwähnte zwar schon sauberes und kristallklares Wasser, Brijuni übertrifft es aber tatsächlich noch ein Stück.





Einziges Beweisfoto, dass wir tatsächlich zu viert verreist waren


















Gefüllte Pleskavica
(ähnelt Hackbouletten- ich fands nur sehr viel schmackhafter)
Hier sei noch angemerkt, dass es in Istrien nicht nur Eis, Pizza und Wiener Schnitzel gibt, man kann hausgemachte Nudeln mit Trüffeln ebenso genießen wie Cevapcici. Pljeskavica lautet mein diesjähriger Favorit des Urlaubs. Hackfleisch gefüllt mit Käse (zB Schafskäse), gebraten zu einer Art falchem Fladen.
Die knusprig gebratenen Pljeskavica werden mit einem Berg gehackter Zwiebeln gereicht und schmecken (meines Erachtens nach) im Fladenbrot- perfekterweise selber gebackenes und rund wie die Pljeskavica- am Besten.
In Porec genoß ich dazu Rotwein, aus der Produktion ortsansässiger Winzer. Lecker wars, wirklich lecker.
Die Untiefe des Internets weist einige Rezepte auf, so auch Hinweise wie man derartiges nachbasteln kann.

Photos und Text hüpfen immer wieder wild durcheinander, weitere Bändigungsversuche werden abgelehnt.

1 Kommentar:

Ratzeputze hat gesagt…

Scheint ja eine tolle gegend zu sein, da bekomme ich ja echt nochmal Lust, in den Urlaub zu fahren bevor ich nach PNG gehe. Nur leider erlaubt es mir meine Zeit nicht mehr, schade. Aber ich sehe es nicht so eng, schliesslich werde ich dann meine Arbeitsstelle im Tropenparadies antreten, da ist jeder Tag eine Art Urlaub (hoffe ich) Achja, Arbeiten tu ich da auch *grinst*